Mobile Version, Rundbrief 1/26

Editorial

Jörg Hanser - Vorsitzender

Liebe Leserinnen und Leser,
die Eingliederungshilfe – so wie wir sie derzeit kennen – ist in Gefahr. Sie gehört zu den zentralen staatlichen Leistungen für Menschen mit Behinderungen und soll diesen eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe ermöglichen. Und damit gehört sie auch zum Fundament unserer Arbeit beim Karren.
Mit großer Besorgnis verfolgen wir daher die aktuellen Sparvorschläge der Bundesregierung bei der Eingliederungshilfe. Hier darf der Rotstift nicht in der angedachten Weise angesetzt werden!
Während solch große strukturelle und finanzielle Umwälzungen im Raum stehen, geht das Leben beim Karren in den Wohngemeinschaften, in der Schule oder bei den Betreuungen unbeirrt weiter. Und das ist gut so. Gartenfeste, Ausflüge, Reisen – der Sommer hat für unsere Klient*innen viel zu bieten. Davon berichten wir im Folgenden, aber auch unsere Mitarbeitenden stehen im Fokus dieses Rundbriefs – von unseren aktuellen Auszubildenden bis zu Personalwechseln bei den Fachleitungen.
Freuen Sie sich auf ein buntes Update mit ernsten und heiteren Themen!
Ihr

Jörg Hanser
Vorsitzender des Aufsichtsrats des Karren e.V.

 

 


Inhalt

Massive Kürzungen bei der Eingliederungshilfe?

Heilerziehungspflege beim Karren: Eine Ausbildung mit Zukunft

Interview: Aufbruchstimmung in der WG Troisdorf

25 Jahre WG Troisdorf – ein Rückblick

Ausflüge führen nach Köln, Brühl und ins Ahrtal

Kurzmitteilungen

 

 


Massive Kürzungen bei der Eingliederungshilfe?

MobilerRundbrief - 2601_karren_foto rendel freude 0014von Peter Stößel, Sprecher des Vorstands des Karren e.V.
In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung 2025 einen Dialogprozess zur Reformierung der Eingliederungshilfe zwischen Bund, Ländern und Kommunen beschlossen. Diese haben im Juni 2026 ihre Empfehlungen vorgelegt. Dabei war der Fokus laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf „Vereinfachungsmöglichkeiten und Chancen für Bürokratieabbau sowie Vorschlägen für eine effizientere Leistungserbringung in der Eingliederungshilfe“. Die Vorschläge für die notwendigen Rechtsänderungen sollen noch in diesem Jahr vorgelegt werden.
Wie viele andere Träger, Verbände und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen fürchtet der Karren drastische Einschnitte bei der Eingliederungshilfe und damit auch bei den Möglichkeiten seiner Klient*innen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ein Vorschlag des Dialogforums im Hinblick auf die Schulbegleitung ist, dass die gemeinsame Inanspruchnahme zur Teilhabe an Bildung der Regelfall werden soll, soweit dies den Bedarf der leistungsberechtigten Personen decke und für diese zumutbar sei. Die Anzahl der individuellen Assistenzleistungen könne so reduziert werden. Aus Sicht des Karren bedeutet dies, dass eine 1:1-Schulbegleitung, wie wir sie heute in sehr vielen Fällen als notwendig erachten, in Zukunft die Ausnahme und die Betreuung mehrerer Kinder im Rahmen eines Pooling-Modells der Standard sein wird.
So schließt sich der Karren der Forderung des Vorsitzenden des Evangelischen Bundesfachverbands für Teilhabe, Pfarrer Frank Stefan, an: „Teilhabe ist ein Menschenrecht und darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden. Wer an Unterstützungsleistungen spart, beschneidet die Lebensmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung und gefährdet ihre gleichberechtigte Teilhabe an unserer Gesellschaft.“
Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat sich die Empfehlungen genauer angeschaut und schlussfolgert: „Mehrere Vorschläge könnten, je nach konkreter rechtlicher Formulierung, zu Verschlechterungen der Leistungen für Menschen mit Behinderungen führen. Dazu zählen unter anderem die Vorschläge zur gemeinsamen Inanspruchnahme von Assistenz.“
Der Karren und andere Träger und Einrichtungen sehen großes Einsparungspotenzial vor allem im Bürokratieabbau und der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. Das setzt personelle Ressourcen frei, die wir am besten in die Unterstützung unserer Klient*innen investieren sollten.

 

Heilerziehungspflege beim Karren: Eine Ausbildung mit Zukunft

MobilerRundbrief - Frau_WesselIn einigen Wochen werden in Deutschland etwa 468.000 meist junge Menschen eine Ausbildung starten. Eine von ihnen ist Isabelle Wessel, die beim Karren ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beginnen wird. Sie weiß schon grob, was sie im praktischen Teil erwarten wird, denn sie arbeitet bereits seit drei Jahren als Inklusionsassistentin und möchte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nun in Theorie und Praxis vertiefen. Sie ist sich sicher, dass sie den richtigen Berufsweg einschlägt: „Es ist schön, ein Kind in der Schule individuell und eng zu begleiten und mitzuerleben, wie sich die gemeinsame Arbeit in deutlichen Fortschritten des Kindes widerspiegelt. Jeder Tag ist anders.“
Der Karren bildet seit jeher Menschen unterschiedlichen Alters zu Heilerziehungspfleger*innen aus. Sie gehen an zwei oder drei Tagen pro Woche zur Schule und arbeiten die restliche Zeit in der Regel in der Schul- und Kindergartenbegleitung sowie in den Wohngemeinschaften. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Heilerziehungspflege-Ausbildung schätzt Gabriele Siebert, Vorständin beim Karren und für die Auszubildenden zuständig. „Wenn in der Berufsschule etwa Gesprächsführung, wertungsfreie Beobachtung, personenzentrierte Kommunikation oder Grundpflege erlernt werden, können die Auszubildenden dies direkt in der Praxis anwenden und so das Erlernte festigen“, erläutert sie.
MobilerRundbrief - IMG_6570Melanie Klasen beendet gerade ihr drittes und letztes Ausbildungsjahr. Selbst im akuten Lernstress sieht sie in der Ausbildung einen großen Gewinn für sich: „Es war schön, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen. Ich habe beim Karren in der Schulbegleitung mit Kindern und in der Wohngemeinschaft Troisdorf mit Erwachsenen zusammengearbeitet. Das ist natürlich etwas ganz anderes.“ Das erlernte Fachwissen schätzt sie sehr, denn vor der Ausbildung war auch sie bereits zwei Jahre beim Karren als Nicht-Fachkraft in der Schulbegleitung tätig. „Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, auf der Basis von fundiertem Wissen Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für die Klient*innen zu übernehmen. Das ist sehr wertvoll“.
Entscheidend für den Erfolg einer Ausbildung ist auch das Team, finden sowohl die angehende als auch die fast ehemalige Auszubildende. Melanie Klasen erinnert sich an die Situation, als ihre Berufsschule schloss. „Das Team des Karren war damals so bemüht, eine Lösung für mich zu finden, und war so flexibel. Eine solche Betreuung ist Gold wert“, sagt sie.
Wer sich beim Karren umschaut, trifft häufig auf ehemalige Auszubildende. „Viele bleiben nach der Ausbildung beim Karren. In manchen Teams sind etwa die Hälfte der Mitarbeitenden ehemalige Auszubildende“, weiß Gabriele Siebert. Auch Melanie Klasen wird nach der Ausbildung als Fachkraft in der Wohngemeinschaft Troisdorf starten.
So zeigt sich: Eine Ausbildung beim Karren kann nicht nur der Einstieg in einen sinnstiftenden Beruf sein, sondern auch der Beginn eines langfristigen beruflichen Zuhauses. Für den Karren sind die Auszubildenden ein wichtiges personelles Fundament, das sehr geschätzt wird.


Interview: Aufbruchstimmung in der WG Troisdorf

MobilerRundbrief - Sabrina_Wieckowski_L_ck_3Seit dem 1. April 2026 leitet Sabrina Wieckowski Lück, 39, aus Köln die Wohngemeinschaft des Karren in Troisdorf. Bei einem Gespräch in der WG-Küche berichtet sie von ihrer ersten Zeit beim Karren und welche Pläne sie für die WG hat.
Der Karren: Frau Wieckowski Lück, seit 100 Tagen leiten Sie die WG in Troisdorf. Was ist Ihre erste Zwischenbilanz?
Sabrina Wieckowski Lück: Es war vor allem eine aufregende Zeit. Ich komme aus einem großen Unternehmen mit einem klinischen Fokus und rund 800 Mitarbeitenden. Daher waren die eher familiären Abläufe in der WG neu für mich. Es ist aber sehr schön, eher wie ein Zuhause. Ich bin inzwischen gut angekommen, kenne die Strukturen, Abläufe und vor allem auch die Menschen hier. Es freut mich sehr, dass die Klient*innen mich direkt angenommen haben. Sie sind eine ganz tolle Gruppe!
Der Karren: Wie nehmen Sie die WG und die Arbeit dort wahr?
Wieckowski Lück: Die soziale Teilhabe der Klient*innen ist enorm. Sie spielen Fußball, gehen zum Tanzen, im Haus selbst gibt es einen Trommelkurs. Direkt in meinen ersten Arbeitstagen hatten wir hier „Urlaub ohne Koffer“. Dort habe ich sie sehr lebensfroh erlebt und wie sie mit viel Spaß Freude in ihr Leben bringen. Viele aus dem Team arbeiten schon sehr lange hier und das habe ich direkt an der guten Atmosphäre gemerkt.
Der Karren: Sie haben einige Ideen, wie Sie die WG weiterentwickeln möchten. Worum geht es dabei?
Wieckowski Lück: Ich möchte gerne die Selbstbestimmung und Teilhabe der Klient*innen weiter stärken. Das bedeutet noch mehr Anleitung zur Selbstständigkeit, zum Beispiel beim Essen oder beim Wäschemachen. Ich habe die Vorstellung, dass sich das Team, das voll hinter diesem Ansatz steht, noch stärker als Assistenz der Klient*innen versteht, und hierzu tauschen wir gerade erste Ideen aus.
Der Karren: Auch in der Verwaltung soll es Neuerungen geben?
Wieckowski Lück: Ja, genau! Wir planen, in den kommenden Monaten auf eine neue Dokumentations-Software umzustellen und unsere Abläufe weiter zu digitalisieren. Auch der Kostenträger fordert dies von uns. Insgesamt gehen wir davon aus, dass diese Schritte Zeit für andere Aufgaben in der Betreuung freimachen werden.
Der Karren: Veränderungen können auch zu Unsicherheit führen. Wie gehen Sie damit um?
Wieckowski Lück: An erster Stelle stehen immer die Bedürfnisse der Klient*innen. Es ist mir daher ein großes Anliegen, deren Eltern und anderen Bezugspersonen Sicherheit zu geben. Generell lege ich viel Wert auf einen regen Austausch mit allen. Denn nur so kann es gelingen, unseren Klient*innen ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit viel Teilhabe zu ermöglichen.
Ich freue mich daher sehr zu sehen, dass die Eltern die geplanten Änderungen mit Wohlwollen beobachten.


25 Jahre WG Troisdorf – ein Rückblick

MobilerRundbrief - 35637von Peter Stößel, Sprecher des Vorstands, Der Karren e.V.
Wir feiern in diesem Jahr nicht nur das 25-jährige Bestehen der WG Troisdorf. Wir feiern eine Geschichte – unsere gemeinsame Geschichte. Im Jahr 2000 gab es in der Allemannenstraße 44a in Troisdorf-Sieglar noch keine vertrauten Stimmen auf den Fluren, keine Bilder an den Wänden, keine verbindenden Rituale. Es gab nur eine Idee: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit Behinderungen nicht nur wohnen, sondern leben – selbstbestimmt, sicher und in Gemeinschaft.
Diese Idee war damals noch mutig. Sie brauchte Menschen, die an sie glaubten und die Hindernisse überwanden – Menschen, die nicht fragten: „Geht das?“, sondern sagten: „Wir machen es möglich.“ Groß bauen konnten damals viele. Wir wollten es kleiner, familiärer und gemeindenah. Heute sehen wir das Ergebnis: ein Haus voller Leben, voller Geschichten, voller Wärme.
Unzählige Momente prägten die vergangenen 25 Jahre: vom Einzugsfest im Januar 2001, bei dem noch niemand wusste, wie sich das Zusammenleben entwickeln würde, über viele fröhliche Geburtstagsfeiern, Reisen und Ausflüge bis hin zu traurigen Momenten des Abschieds oder des Todes.
Kein Haus, kein Projekt und keine Vision lebt ohne die Menschen, die sie tragen. Dazu gehören in erster Linie die WG-Bewohner*innen selbst. Sie geben dem Haus seine Seele. Ihre Offenheit, ihr Humor und ihre Stärke bereichern alle. Die Angehörigen sind unsere Partner und Unterstützer und manchmal auch unsere Kritiker. Genau das macht uns gemeinsam besser. Natürlich spielt das Karren-Team eine zentrale Rolle, nicht nur Betreuer*innen. Die Mitarbeitenden begleiten unsere Klient*innen, hören zu, machen Mut und manchmal trösten sie auch. Sie geben nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihr Herzblut.
Diesen Geist soll die WG auch in den nächsten 25 Jahren bewahren: den Mut, Neues zu wagen, die Freude am Miteinander und die Überzeugung, dass jeder Mensch – unabhängig von seinen Fähigkeiten – ein wertvoller Teil unserer Gemeinschaft ist. Denn unser Ziel ist klar: Die WG soll weiterhin ein Zuhause sein, das mit seinen Menschen wächst.


Ausflüge führen nach Köln, Brühl und ins Ahrtal

Nutzerrat im Zoo: Einmal im Jahr lädt der Nutzerrat des Karren alle Klient*innen zu einem Ausflug ein. In diesem Jahr ging es mit 45 Teilnehmenden am 13. Juni in den Kölner Zoo. Besonderen Eindruck machten die riesengroßen Elefanten mit ihren Babys.
Bewo im Phantasialand: Dank einer großzügigen Spende fuhren 20 Klient*innen des Ambulant Betreuten Wohnens im April mit ihren Betreuer*innen ins Phantasialand nach Brühl. Sie verbrachten dort einen wunderbaren Tag – im Karussell, in der Wildwasserbahn oder bei Shows.
Betriebsausflug ins Ahrtal: Über 60 Mitarbeitende trafen sich am 17. Juni nicht in der Geschäftsstelle, Wohngemeinschaft oder Schule. Stattdessen ging es zum Betriebsausflug mit dem Zug nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Vor Ort konnten die Mitarbeitenden zwischen verschiedenen Führungen durch Ahrweiler oder die Weinberge auswählen und erfuhren dabei viel Interessantes über die Stadt und das Ahrtal, das sie oft nur flüchtig von Ausflügen kannten. Beim gemeinsamen Essen nutzten viele die Gelegenheit, sich mit Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen auszutauschen, was im Arbeitsalltag oft schwer möglich ist.


Wir sagen „Danke“

MobilerRundbrief - danke

… für Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Mühe, für Ihre Spende und für Ihre Hilfe! Neben vielen Einzelspenden und Kollektenspenden, die an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden können, geht ein besonders herzliches Dankeschön an die Band Mad Memories, Familie Tamm, Familie Ettl und Familie Dr. Kötting für die Unterstützung unserer Arbeit.

Mitgliederversammlung

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Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung findet am 10. September 2026 um 19.30 Uhr in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Augustin, An den Drei Eichen 2, Sankt Augustin-Ort, statt. Die Einladung und die Tagesordnung gehen den Mitgliedern gesondert zu.

Aus dem Team

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Am 1. April 2026 übernahm Tom Kochalski die Leitung des Pflegedienstes „Pflege zu Hause“. Er löst damit Christiane Lummerzheim ab. Im März wurde Lisa Wiese in den Ruhestand verabschiedet. Über 16 Jahre war sie für den Karren tätig, zuletzt als Leiterin der WG und des Apartmentwohnens in der Uhlandstraße in Sankt Augustin.

Nachruf

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Am 14. Juni 2026 ist nach kurzer schwerer Krankheit unser Klient Jan Jäckel verstorben. Er lebte seit 2015 in der Karren-Wohngemeinschaft Bussardstraße. Er liebte das Leben, die Musik und den FC Köln. Seine früheren Mitbewohner*innen sowie das Team vermissen ihn sehr und unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.

 

 

IMPRESSUM

Verantwortlich: Peter Stößel
Redaktion: Dr. Susanne Reiff,
Grafik: Stefanie Spliethoff
Bilder: Der Karren e.V.