12.05.2012 Rundblick Sankt Augustin
Freiwilligendienst mit Menschen mit Behinderung: „Eine wertvolle Erfahrung"

Sankt Augustin - Jens Distelrath hatte im vergangenen Jahr seine Schulausbildung erfolgreich beendet. Doch nun sitzt er wieder in der Schule. Aber nicht als Schüler und auch nicht als Lehrkraft. Er macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Karren e.V., der Menschen mit Behinderungen dabei unterstützt, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Freiwillige aus Bonn begleitet für ein Jahr den 14-jährigen S. in die Schule, der aufgrund einer geistigen Behinderung im Schulalltag hier und dort Unterstützung benötigt. Diese Unterstützung bietet ihm im Schuljahr 2011/2012 Jens Distelrath.
Morgens gegen viertel vor neun wartet der FSJ-ler vor der Heinrich-Hanselmann-Schule in Sankt Augustin schon auf S., der mit dem Bus zur Schule gebracht wird. Sie werden den gesamten Schultag zusammen als Team meistern - bei den Aufgaben, die S. vom Lehrerteam bekommt, genauso wie beim Gang zur Toilette.
Die Arbeit als FSJ-ler macht Jens Distelrath nicht nur Spaß, er profitiert auch sehr viel von seiner Tätigkeit und berichtet: „Es ist so schön zu sehen, wie S. sich weiterentwickelt. Selbst die schlechten Tage, an denen mal nichts läuft, sind eine wertvolle Erfahrung. Nicht nur er lernt von mir, sondern ich lerne auch viel von ihm. Es macht mich sehr glücklich und auch stolz, dass ich ihm geholfen habe, einige oder sogar viele Dinge zu meistern oder zu können, damit er eines Tages auch alleine im Alltag klar kommt."
Ein Jahr dauern die Freiwilligendienste in der Regel, die der Karren e.V. in Sankt Augustin anbietet. Dazu gehören das Freiwillige Soziale Jahr und der Bundesfreiwilligendienst, der nach der Abschaffung des Zivildienstes vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Alle Schulabgänger, die mindestens 16 Jahre alt sind, können als Freiwillige tätig sein. Für ein FSJ gibt es allerdings eine Altershöchstgrenze von 27 Jahren, der Bundesfreiwilligendienst richtet sich ausdrücklich an Interessierte aller Altersklassen, von Jugendlichen bis zu Senioren.
Vieles, was Jens Distelrath während seines Freiwilligen Sozialen Jahres erlebt hat, hat ihn positiv bereichert. So sagt er: „Zum einen habe ich gelernt, „richtig", also ganz normal und ungezwungen mit Menschen mit Behinderungen umzugehen. Zum anderen habe ich jede Menge Selbstvertrauen gewonnen sowie ein neues Berufsfeld. Nach dem FSJ werde ich alles daran setzen, Heilerziehungspfleger zu werden."

Mit diesem Berufswunsch ist Jens Distelrath inzwischen ein begehrter Arbeitnehmer. „Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Personal für soziale Berufe zu finden", stellt Peter Stößel, Geschäftsführer des Karren e.V. fest. „Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist eine perfekte Gelegenheit, in dieses Berufsfeld herein zu schnuppern."
Für das Jahr 2012/2013 bietet der Karren e.V. noch freie Plätze für einen Freiwilligendienst an. „Insbesondere in der Schul- und Kindergartenbegleitung bieten wir viele Stelle für Freiwillige an", berichtet Gunhild Zimmermann, Fachleiterin beim Karren e.V. für den Familienunterstützenden Dienst. Aber auch in den Wohngemeinschaften des Vereins für erwachsene Menschen mit Behinderungen oder bei „Pflege zu Hause", dem ambulanten Pflegedienst des Karren sind einige Freiwillige beschäftigt. Dort betreuen sie etwa gemeinsam mit unserem Fachpersonal pflegebedürftige Menschen, lesen ihnen etwas vor, erledigen kleine Einkäufe oder gehen mit ihnen spazieren.
Bis zu den Sommerferien wird Jens Distelrath noch zur Heinrich-Hanselmann-Schule gehen. Er weiß heute schon, dass er viele in der Klasse vermissen wird: „Jeder Schüler hat irgendwie etwas Besonderes, ob es nun ein sehr lautes Organ oder ein leises Vor-sich-hin -träumen ist. Bei S. werde ich auf jeden Fall sein unglaubliches Basketball-Talent in Erinnerung behalten."
Weitere Informationen zum Freiwilligendienst beim Karren e.V. unter
www.karren.de
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